Ein Bundesliga Wettkampf im eigenen Wohnzimmer

Würzburger Triathleten starten mit einem virtuellen Radrennen in die Saison

Bereits vor 2 Wochen hätte für die Würzburger Triathleten in Darmstadt der Startschuss in die Zweitligasaison fallen sollen. Die Abgänge von Juliane Totzke (Konzentration auf ihr Medizinstudium) und Lisa Heinrichs (Wechsel zum Bundesligisten TV Bad Orb) sollten durch die beiden Nachwuchsathleten Emilia Binnig (Schwäbisch Hall) und Tabea Herzberg (Neckarsulm) sowie Lea Cagol (Rückkehr aus der 1. Bundesliga) kompensiert werden. In der vergangenen Saison mussten sich die Nullfünfer Damen im Kampf um die Meisterschaft mit nur einem Punkt Unterschied knapp dem TV Bad Orb geschlagen geben. „Mit diesem starken Kader hätten wir dieses Jahr erneut um die Meisterschaft mitkämpfen können“, meint Lisa Heinrichs, die weiterhin die Teamleitung innehat.

Auch das Herrenteam der Nullfünfer ist für die Saison 2020 gut aufgestellt. Nach dem 3. Platz im vergangenen Jahr hatten sich die Würzburger ein klares Ziel gesetzt. „Mit Valentin Hofmann (Erlangen) und Marc Eggeling (Pro Team Morenwith) stoßen zwei starke Zugänge zum Team dazu. Der Aufstieg ist zwar sicher ein hohes Ziel aber nachdem wir uns die letzten Jahre immer steigern konnten, wollen wir in der kommenden Saison ernsthaft um den Aufstiegsrang mitkämpfen“, bekräftigt der Teamleiter Markus Unsleber zu Beginn des Jahres das Vorhaben. Doch es kam anders…

Aufgrund der Coronakrise und den Auswirkungen, die auch den Triathlon in sehr starkem Maße beeinflussen, wird die Saison der 2. Triathlon Bundesliga 2020 in einem anderen Rahmen stattfinden müssen. Mit Darmstadt, Rothsee, Trebgast und zuletzt Viernheim mussten vier der fünf geplanten Wettkampftermine bereits abgesagt werden. Auf Basis dieser veränderten Rahmenbedingungen und der ungleichen Chancen in der Vorbereitung hat der Bundesliga-Ausschuss der Deutschen Triathlon Union (DTU) beschlossen, in 2020 keine Saisonwertung durchzuführen. Zudem wurden die Auf- und Abstiegsregelungen in der 1. und 2. Bundesliga außer Kraft gesetzt. „Diese Entscheidungen waren für alle Beteiligten schmerzvoll, aber aufgrund der Situation zwangsläufig im Sinne der sportlichen Fairness. Vor allem die ungleichen Trainingsbedingungen und die Schwierigkeiten der Reisebeschränkungen für die Athleten der Teams würden eine zu große Wettbewerbsverzerrung bedeuten“, sagt Matthias Zöll, Geschäftsführer der DTU. Den ein oder anderen (virtuellen) Wettkampf wird es für die Würzburger Triathleten trotz allem geben. Die DTU hat unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen ein Wettkampfangebot erstellt, das aus bis zu vier Rennen bestehen wird – die ersten beiden werden virtuell bzw. dezentral stattfinden. Zudem wird weiterhin darauf hingearbeitet, dass bis zu zwei reale Rennen stattfinden können.

Die Athleten der 2. Triathlon Bundesliga werden sich am 28. Juni ab 10 Uhr in einem Radrennen auf der virtuellen Plattform Zwift miteinander messen. Virtuell bedeutet, dass die Athleten zu Hause in den eigenen vier Wänden auf ihren Rollentrainern fahren und nicht auf der Straße. Der Rollentrainer wird mit dem Computer gekoppelt, auf welchem Zwift installiert ist. Die Athleten setzen sich in ihrer Wohnung auf ihr Rennrad, das im Rollentrainer eingespannt ist und öffnen das Programm Zwift. Nach dem Login wählen sie das Rennen aus. Die Leistung wird über einen Wattmesser im Rollentrainer gemessen und im Verhältnis zum Gewicht der einzelnen Athleten und wiederum im Vergleich zu den anderen Fahrern gesetzt. Das Radrennen wird in Kooperation mit ZTSxPaceheads auf der Strecke „out and back again“ (42,3Kilomenter mit 333Höhenmetern) in der virtuellen Welt Watopia ausgetragen. Pro Männerteam gehen vier Athleten in die Wertung ein, pro Frauenmannschaft drei Athletinnen.

Am 2. August folgt dann ein dezentraler Swim & Run, bei dem jede Mannschaft in einem ihr zugänglichen Schwimmbad und einer ihr zugänglichen Laufbahn startet. Die Schwimm- und Laufzeiten eines jeden Sportlers werden zusammengerechnet und die Gesamtzeiten der Top-3 Sportler werden dann wiederum zu einer Zeit addiert. Das Team mit der niedrigsten addierten Gesamtzeit holt den Tagessieg.

Am kommenden Sonntag treten die Würzburger Damen mit Sarah Karollus, Lea Cagol, Tabea Herzberg, Anine Hell und Laura Zimmermann in sehr guter Besetzung an. Für das Herrenteam gehen Sebastian Reinhard, Julian Müller, Markus Klinder und Carl Sommer an den Start. Zudem unterstützt der Bayernligastarter Danilo Krause das Team. Das Renngeschehen wird in Zusammenarbeit mit Larasch per Livestream auf www.triathlonbundesliga.de und auf Facebook übertragen. Im Rahmen des Livestreams wird es während des Rennens (geplant um 10:32 Uhr) sogar eine Liveschaltung nach Würzburg zu den Nullfünfern geben.

Foto: Anton Sommer
Bildunterschrift: Carl Sommer bereitet sich auf sein erstes virtuelles Rennen vor.

 

 

Joomla templates by a4joomla